Es geht doch um eine Filmproduktion?!


Die Aufmerksamkeit ist Quentin Tarantino sicher. Egal wo sich der Regisseur aufhält, Filmfans scharren sich um ihn und auch die Presse ist neugierig. So geschieht es gerade in verschiedenen Zeitungsblättern. Denn der „True Romance“-Regisseur weilt gerade in Deutschland. Die Bild-Zeitung gebraucht sogar das inflatinonär gebrauchte Wort Kult in Zusammenhang mit Tarantino und Der Tagesspiegel scheint fast die gesamte Zeit an seinen Fersen gehangen zu haben. Mehr als Gossip ist leider nicht entstanden.

Die wichtigen Informationen wurden nur mühsam aus fremden Quellen abgeschrieben. Denn schon seit der Jahrtausendwende war von einem 2. Weltkriegsaction mit Michael Madsen in der Hauptrolle zu lesen. Der Titel: Inglorious Bastards.

Wie allseits bekannt, hat der ehemalige Videothekar nur einen geringen Output an Filmen. Diese erfreuen sich aber einer großen Beliebtheit von Filmfreak- und nerds. Dem breiten Publikum ist wenigstens sein Name ein Begriff.

Seit der ersten Ankündigung für den Film nahm Tarantino hingegen auf dem Regiesessel für „Kill Bill – Volumne 1“ (2003), „Kill Bill – Volumne 2“ (2004) und „Death Proof“ (2007) Platz und half in einer Szene der Comic-Verfilmung „Sin City“ (2005) aus. Hinter all diesen und mit Ausnahme des Regiedebuts Tarantinos steckten die Gebrüder Weinstein. Harvey und Bob Weinstein gründeten in den 1980er Jahren Miramax und bauten aus dem Kleinverleih einen sehr erfolgreichen Independent-Verleih in den USA auf. Ihr Geschäftsmodell war der Kauf von kleinen, anspruchsvollen Filmen zu günstigen Konditionen. Miramax beschränkte sich zuerst nur auf den Einkauf von Rechten. Insgesamt war der Independent-Filmbereich gegenüber der heutigen Zeit unterentwickelt. Es Firmen waren selbstständig und die Hollywood-Majors überließen ihnen das Feld.

„Pelle, der Eroberer“ (1987) und „Sex, Lügen und Video“ (1989) gehörten nur einem kleinen Teil der Filme, für die Miramax mit Filmpreisen belohnt wurde. Das die gewichtigen Brüder sprichwörtlich über kreative Leichen gehen ist in David Biskinds Buch „Down and Dirty Pictures: Miramax, Sundance and the Rise of Independent Film“ eindrucksvoll beschrieben. Der Filmwissenschaftler David Bordwell meint dagegen

Peter Biskind spoiled film books. By recycling all the gossip he could dredge up, Biskind deflected attention from the movies and onto the (admittedly, pretty fallible) people behind them.

Als Quentin Tarantino keinen Filmverleih für „Pulp Fiction“ (1994) findet – Columbia Pictures besaß ursprünglich eine Option – kamen ihm die Weinstein-Brüder zur Hilfe. Die Weinsteins erhielten im Gegenzug ihren ersten 100 Millionen Dollar-Film. Seitdem hängen sind beide Seiten eng miteinander verwoben.

Als die Weinsteins 2005 aus der von ihnen gegründeten Firma ausschieden, ging Tarantino mit ihnen. (Miramax gehört seit 1993 zum Medienkonzern The Walt Disney Company. Für den lächerlichen Betrag von 40 Millionen Dollar verkauften die Weinsteins damals ihre Firma. Allein die Gewinne aus „Pulp Fiction“ sollten den Kaufpreis schon amortisiert haben.)

Doch ohne den finanzkräftigen Konzern im Hintergrund gelang es den Weinsteins bisher nicht an die alten Erfolge anzuknüpfen. Es gab Kassenknüller wie „Scary Movie 4“ (2006), aber der Großteil der von den Weinsteins in Auftrag gegebenen Filme waren weder an der Kinokasse Überflieger, noch räumten sie Filmpreise ab wie 1999 mit „Shakespeare in Love“. Ihr damaliges Erfolgsrezept war die enge Bindung zu Filmemachern vor und hinter der Kamera über Produktionsverträge.

Wollten die Macher an einem Projekt eines anderen Filmstudios teilhaben, mussten die Konkurrenten entweder die Weinsteins mit ins Boot holen und dafür Verwertungsrechte an deren Firma abtreten. Einige Beispiele waren:

  • „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) Miramax und Paramount Pictures (Viacom Inc.)
  • „All die schönen Pferde“ (2000) Miramax und Columbia Pictures (Sony Entertainment)
  • „Brigdet Jones Diary“ (2001) Miramax und Universal Pictures (bis 2000 Seagram, dann Vivendi Universal, seit 2004 NBC Universal)

In der New York Times war von finanziellen Problemen der Weinstein Company die Rede. Diese wurden von den Eigentümern dementiert. Trotzdem ist es interessant, wie sich die Filmfirma in kurzer Zeit bei zwei sehr prestigträchtige und mit Blockbusterqualitäten ausgestatteten Filmen, finanzielle Hilfe ins Boot holt.

Der eine Film ist „Nine“ (2009), einer Musical-Fortsetzung des italienischen Klassikers „8 1/2“ (1963) von Federico Fellini. Relativity Media beteiligt sich als Co-Produzent am Film. Regisseur Rob Marshall inszenierte schon „Chicago“ (2002), einem kommerziellen und künstelerischen Erfolg während der Miramax-Zeit der Weinsteins.

Der zweite Filme, bei dem sich die Weinstein Company finanziell unterstützen lässt ist Tarantinos „Inglorious Bastards“. Tarantino als weltweite Marke plus die laut Gerüchten für die Hauptrollen im Gespräch befindlichen Brad Pitt und Leonardo DiCaprio lassen das Herz jedes Filmunternehmens höher schlagen. Diese Kombination kann nur ein Erfolg werden. Vom Drehbuch sind diejenigen, die es lesen konnten begeistert. Das New York Magazin schrieb:

The script is definitely the ur-text of Quentin Tarantino’s career up to now; it combines his love of old movies (war movies, Westerns, and even prewar German cinema), his attraction to powerful female protagonists, his love of chatter, and his willingness to embrace the extreme — visually and in his storytelling.

In einem seperaten Artikel spinnt wünscht sich das New York Magazin für verschiedene Rollen unter anderem Adam Sandler, Eddie Murphy und Sylvester Stallone.

Als außeramerikanischer Verleih ist – laut Branchenblatt Variety – die General Electric-Tochter Universal Pictures der letzte Verhandlungspartner. Dabei tritt die Firma nur als Co-Finanzier auf, ohne am Produktionsprozess direkt beteiligt zu sein. Ursprünglich waren es fünf Verleihunternehmen. Da es nicht so viele weltweit agierende Filmfirmen gibt, saßen die Weinsteins und Tarantino wohl mit allen großen am Tisch: Paramount Pictures (dies war neben Universal Pictures als letzte im Rennen), 20th Century Fox, Warner Bros. und Columbia Pictures. Der Disney-Konzern wird mit seiner Filmabteilung nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen sein. Einerseits wäre ein Tarantino-Film nicht unter dem Disney-Label vermarktbar, andererseits sind die Animositäten der Vergangenheit sicher noch nicht ausgestanden. Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) kommt ebenfalls nicht in Frage, da diese für ihre eigenen Filme die internationalen Dependancen der 20th Century Fox nutzt.

„Nine“ und „Inglorious Bastards“ waren auch die beiden einzigen Filme, die in einem Variety-Bericht über einen Output-Deal im US-Pay-TV genannt wurden. Erstmals seit ihrer Gründung werden die Weinstein-Brüder ihre Filme direkt an einen Bezahlsender los. Vorher nutzten sie den Outputdeal von MGM mit Showtime Networks. Jetzt arbeiten die Weinsteins direkt mit diesen zusammen.

Gerade weil die beide Filme so wichtig für das Prestige und auch den Geldbeutel der Firma sind, ist ein Teilverkauf der Rechte so unverständlich. Aber davon wird im deutschen Blätterwald niemand etwas lesen. Auch wird nicht wichtig sein, wie der Film entsteht und wie Bedeutsam dieser für die deutsche Filmindustrie sein kann, noch welche künstlerische Perle mitten in Europa als Mischung aus „Das dreckige Dutzend“ (1967) und „Agenten sterben einsam“ (1968) entstehen wird. Wichtig ist nur das richtige und teuer verkaufbare Foto von Tarantino, DiCaprio und Pitt (nebst Anhang). Es scheint, die Konstruktion des Deutschen Filmfonds war nur zur Beschaffung von Inhalten für deutsche Pressehäuser. Schade eigentlich, womit sich Journalisten so beschäftigen.

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3 Antworten to “Es geht doch um eine Filmproduktion?!”

  1. Mittermeier, Carrey und Pitt belegen die ersten Plätze der Kinocharts « Medien-Monopoly Says:

    […] bin ich schon auf den 20. August. Quentin Tarantinos “Inglorious Basterds” mit Pitt in der Rolle des Nazijägers Aldo Raine ist auf deutschen Leinwänden zu sehen. Sieben […]

  2. Blog-Einnahmen im März 2009 « Medien-Monopoly Says:

    […] Es geht doch um eine Filmproduktion?! […]

  3. Cannes 2009: Die Wettbewerbsfilme « Medien-Monopoly Says:

    […] gaben die Veranstalter der Filmfestspiele von Cannes ihr Line-Up bekannt. Ein Beitrag – “Inglourious Basterds” von Quentin Tarantino – stand schon einige Zeit fest. Die restlichen 19 Filme sind unten […]

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