In Hollywood wird sich nichts ändern


Spasseshalber suchte ich nach dem Schlagwort „Hollywood“ über eine sehr große Suchmaschine in der Blogosphäre. Schon vorher ließ ich die Blogospäre durchsuchen. Meine Erfahrungen waren aber negativ. (Vielleicht waren es aber auch nur die Suchergebnisse.) Nur wenige Posts deckten sich mit meinen Interessengebieten. Ich suchte nach Einträgen über amerikanischen Filmstudios: Metro-Goldwyn-Mayer, Warner Bros., Paramount Pictures, 20th Century Fox, Columbia Pictures, Universal Pictures und United Artists. Die damals großen Sieben Hollywood-Studios. Als Treffer erhielt man unzählige missratene Kopien von Berichten aus professionellen Quellen. (Eigentlich müssten diese als Beleg angegeben werden, doch ist mir es die Mühe nicht Wert, diesen schlechten Internetseiten Verweise zu geben.)

Jetzt suchte ich nach „Hollywood“ und erwartete ich nicht das gleiche Ergebnis. Waren die Namen der Filmstudios sehr speziell, ging ich bei der aktuellen Suche von einem Überangebot an Treffern aus, von denen dann hoffentlich ein Blogeintrag mein Interesse befriedigt und zum Nachdenken anregt.

Juhu, es hat geklappt. Zwar hat „Hollywood: Remakes, Sequels and Adapations“ nur zusammengefasst, welcher Kritik sich die US-amerikanische Industrie ausgesetzt sieht, doch aus folgenden Gründen machte das Lesen so viel Spaß, dass ich nun einen eigenen Beitrag dazu verfasse:

  1. Eine verständliche, auf den Punkt gebrachte Überschrift. Das ein Text sein durch die Überschrift gegebenes Versprechen einhält ist nicht immer zu erwarten. Doch nach dem Lesen, kann diese Wahl nur positiv bewertet werden.
  2. In den ersten Absätzen wird das Problem geschildert: „Amerikanische Zuschauer sind dumm und deshalb werden Filme aus allen Herren Ländern neuverfilmt. Und es werden immer mehr!“ Natürlich spielt der Schreiberling mit Vorurteilen, ja bringt sinngemäß sogar die Floskel „Früher war alles besser“ ins Spiel.
  3. Doch ist dies nicht seine Meinung. Puh, da habe ich als Leser noch mal Glück gehabt. Denn viel zu oft wird mir etwas vorgesetzt zu lesen, was nach drei Sekunden Überlegen zum Wegklicken der Seite führt. Denn ein guter Blog-Kommentator und auch Leserbriefschreiber bin ich nicht. Und möchte es auch nicht sein: Ich möchte mich nicht provozieren lassen, kurze und nichts sagende Aussagen von mir zu geben. Außerdem habe ich die Befürchtung, dass meine niedergeschriebenen Gedanken – vor allem in der Leserbriefspalte – ungelesen bleiben.
  4. Mit folgenden Sätzen wurde dann auch die Filmindustrie sehr gut zusammengefasst.

Hollywood is simply the same old production factory that it’s always been with the occasional crop of gems that we all end up remembering and the many duds that we don’t. I honestly don’t think that Hollywood is worse about remakes and sequels these days or is any more creatively bankrupt than it has always been.

Als Beispiele für gute Neuverfilmungen, Fortsetzungen und Adaptionen werden dann auch drei Filme genannt, die ich auf der großen Leinwand in einem dunklen Kinosaal mit vielen anderen Zuschauern ebenfalls genossen habe: „The Departed“ (2006), „Batman Begins“ (2005) und „Casino Royale“ (2006).

Denn warum sollte sich eine Industrie nicht in ihrem Fundus an guten Ideen bedienen? Natürlich ist dies erst einmal einfacher, als sich eine neue originelle Geschichte auszudenken. Auch wertet man die Ursprungswerke damit auf.

Der Time Warner-Konzern erweckte sein seinen Comichelden wieder zum Leben. Die Batman-Figur ist bekannt und beliebt. Durch einen Neuanfang mit dem damals noch weniger bekannten Christian Bale in der Titelrolle wird das Interesse für die alten Filme wieder geweckt: Die ersten vier Batman-Abenteuer konnten als Special-Editions neu auf DVD aufgelegt werden. Auch ein Paketverkauf an Fernsehsender in der ganzen Welt ist im Rahmen eines neuen Werkes des Franchise lukrativer.

Das gleiche gilt für die Macher hinter dem britischen Spion: Eon Productions als Produktionsfirma, Danjaq als Rechteinhaber, Metro-Goldwyn-Mayer und Sony Pictures Entertainment als Vertriebsunternehmen sahen James Bond ebenfalls als Gelddruckmaschine an. Doch so einfach kann auch ein industriell gefertigtes Produkt trotz einer riesigen Marketing-Macht nicht in den Markt gedrückt werden.

Denn egal ob es sich um Batman oder James Bond handelt. Die alten Fans dürfen nicht enttäuscht werden und parallel müssen neue Zuschauer angelockt werden. Das Worst Case Scenario wäre schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda. Beide Filme hatten trotz der großen Bekanntheit der Marken viel Glück und dieses konnte nicht am Reißbrett durchgeplant werden.

In Europa wurden rund 10,8 Millionen Kinokarten für „Batman Begins“ verkauft. Daniel Craigs erstes Bond-Abenteuer wollten sogar rund 29,2 Millionen Menschen in Europa sehen. Dies sind fast vier Millionen verkaufte Karten mehr als in Nordamerika.

Diese Zuschauerzahlen waren aufgrund der großen Budgets auch notwenig. Niemand investiert für einen einzigen Film einen neunstelligen Betrag, wenn sich die Ausgaben amortisieren werden. Da ist es gut, auf ein schon vorher siegreiches Pferd zu setzten. Das in diesem Jahr die Fortsetzungen der Fortsetzungen sogar noch die Ergebnisse ihrer Vorgänger übertreffen werden, ist an „The Dark Knight“ (2008) abzusehen. Beim 22. Bond kann bisher nur spekuliert werden. Doch nimmt man den Hollywood Stock Exchange als Maßstab, steht es um „Ein Quantum Trost“ sehr gut.

Aber noch einmal zurück zum Amerikaner an sich. Natürlich ist es diesem nicht in die Wiege gelegt Filme in ihren Originalsprache zu sehen. Genausowenig kann sich ein Großteil des deutschen Publikums vorstellen eine nichtsynchronisierte Filmfassung anzusehen. Dies ist kein Problem an sich.

„Infernal Affairs“ (2002) war gegenüber „The Departed“ der bessere Film. Doch ohne Martin Scorcesses Remake wäre die fantastische Geschichte nur einem deutlich kleineren Zuschauerkreis in der westlichen Welt bekannt gewesen. Und die Story ist gut. So gut, dass auch ich als Hollywood-Produzent mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche die Neuverfilmungsrechte erworben hätte, anstatt den Betrag in ein – nur möglicherweise – auf dem Papier erfolgsversprechend und künstlerisch wertvollen Film gesetzt hätte.

Dieses Handeln ist wie gesagt keine Erfindung der internationalen Medienkonzerne. Schon Alfred Hitchcock verfilmte „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934 und 1956) zweimal. Auch „Ben-Hur“ gab es sowohl als Schwarz-Weiß-Stummfilm, als auch im als Technicolor-Breitwand-Streifen zu sehen. Von den unzähligen Sherlock Holmes- oder Jules Verne-Verfilmungen kann zu schweigen. Film bedeutet also nicht nur Kulturgut. (Worauf hier nicht explizit eingegangen wurde.) Der Wille Aufmerksamkeit oder besser die geringe Zeit von Konsumenten zu erlangen, wird auch zukünftig das Geld der Produzenten fließen lassen. Wenn dabei keine Serienproduktion wie beim Automobil herauskommt, können alle zufrieden sein. Denn ein sehr erfolgreicher Batman-Film hilft dem Time Warner-Konzern unzählige Kinofilme á la „The Fountain“ (2006), „The Good German“ (2006) oder „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ (2007) herzustellen.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Antworten to “In Hollywood wird sich nichts ändern”

  1. Warum MGM-Chef Harry E. Sloan nicht in Louis B. Mayers Fußstapfen schlüpfen kann « Medien-Monopoly Says:

    […] In die Filmbibliothek zu schauen und daraus die Perlen noch mal zu verfilmen ist ja gängige Praxis …. Doch “Fame”, “Red Dawn”, “The Thomas Crown Affair”, “Robocop” oder einen anderen Titel aus der MGM-Bibliothek zu aktualisieren, lässt die kreativsten Köpfe des Filmgeschäfts nicht unbedingt aufhorchen. Zwar werden dann die Original-Werke wieder ins Rampenlicht gerückt – genauso wie bei Fortsetzungen, die nur auf DVD erscheinen. Doch als Filmproduktionsunternehmen angesehen zu sein, müssen auch neue Stoffe entwickelt werden. […]

  2. jjchandler Says:

    Danke für die freundlichen Wörter über meinen Blog. Von, was ich von Ihrem Blog lesen kann, ihm ist außerdem sehr unterhaltsam. Traurig wenn dieser Pfosten isn‘ t so klar wie es konnte sein, aber I‘ m, das in Ihrer Sprache nicht fließend sind und ich verwenden ein billiges (wie in freiem) Übersetzungsprogramm von der Yahoo-Web site, die “ genannt wird; Babelfish“ nach dem Hitch-Hiker‘ s-Führer zum Galaxiewitz. Isn‘ t das Netz ein kühles Werkzeug.

  3. Auch der 22. James Bond-Film “Ein Quantum Trost” wird von United Artists produziert « Medien-Monopoly Says:

    […] United Artists produziert Die ersten Filmrezensionen erscheinen in diesem Tagen zum neuesten James Bond-Film und sind durchweg positiv. Bemerkenswert ist vor allem die deutlich kürzere Laufzeit von […]

  4. Blog-Einnahmen im März 2009 « Medien-Monopoly Says:

    […] In Hollywood wird sich nichts ändern […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: