The Dark Night – Auch der neue Batman-Film wird an der Kinokasse enttäuschen


Nach 33 Tagen in den nordamerikanischen Kinos sprechen sagenhafte 475 Millionen Dollar Einspielergebnis eine eindeutige Sprache für das neueste Batman-Abenteuer. Von einem Blockbusterergebis wurde ausgegangen, doch schon das erste Wochenende überraschte die Beobacher Spieler der Hollywood Stock Exchange (HSX).

Momentan befindet sich „The Dark Night“ auf dem 2. Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten in den USA und Kanada. Die Liste führt nur noch James Camerons „Titanic“ (1997) mit rund 601 Millionen Dollar Einspielergebnis an.

Doch die Aussagekraft solcher Zahlen sind sehr beschränkt:

  1. Vergleicht man nicht die Höhe des Einspielerbegnisses, sondern die der Kinozuschauer, haben heutige Filme keine Chance mehr unter die Top Ten zu gelangen. Einerseits war das Kino bis zur weiten Verbreitung des Fernsehens das Unterhaltungsmedium schlecht hin. Andererseits sind Kinokarten heute deutlich teurer als zu Zeiten von „Vom Winde verweht“ (1939), dem Film mit dem inflationsbereinigten höchsten Umsatz an den Kinokassen.
  2. Außerdem veränderte sich die Verwertung eines Films. Bis in die 1970er Jahre wanderten die teuren Hollywood-Produktionen in einer Roadshow von Kinopalast zu Kinopalast, bevor dann der Film dann in den gleichen Regionenen noch einmal gezeigt wurde. Waren es zuerst die besten Kinohäuser am Platz mit höheren Eintrittspreisen, wurden dann die Filme jetzt zu günstigeren Kartenpreisen in technisch schlechter ausgestattenen und meist am Stadtrand befindlichen Kinotheatern gezeigt. Da es außer dem Fernsehen keine weitere Auswertungsmöglichkeit gab, waren die einzelnen Filmkopien sehr lange im Einsatz. Erst mit dem Bau von Multiplexen mit mehreren Sälen und dem Druck durch eine hohe Kopienzahl schon in den ersten Kinowochen viel Geld einzuspielen, verkürzte sich auch die Kinoauswertungszeit. „Der weiße Hai“ von Regisseur Steven Spielberg gilt als Beginn des Blockbusterkinos. Das Marketing eines Films veränderte deren Wahrnehmung hin zu einem Must-See-Erlebnis.
  3. Eigentlich ist folgender Punkt nur eine Kleinigkeit. Auch in den elf Jahren seit dem „Titanic“-Erfolg veränderte sich die Filmauswertung. Waren sich die Hollywood-Majors schn bewußt, wie wirtschaftlich notwendig eine Auswertung im VHS-Format ist, schuf die damals neue DVD eine über den Filmliebhaber hinaus eine Sammlerleidenschaft, die sich in einem gegenüber dem Kinoumsatz höheren Home-Entertainment-Umsatz darstellte. Immer kürzere Kinoauswertungsfenster waren die Folge. Und um trotzdem den Kinobesuchern die Möglichkeit zugeben, einen Film im Kino zu sehen und nicht von ausverkauften Kinos steigerten sich parallel zur Anzahl der Kinosäle auch die Filmkopien eines einzelnen Films. Denn nachweislich gehen die meisten Kinobesucher in den ersten Wochen nach Filmstart ins Lichtspielhaus.

So relativiert sich der wirtschaftliche Erfolg von Christopher Nolans-Film schon deutlich. (Über die künstlerischen Qualitäten wird hier auch nicht gesprochen werden. Um den vielen positiven Rezensionen entgegen zuwirken, darf hier David Bordwell Blogeintrag über dessen Enttäuschung beim Kinobesuch erwähnt werden.)

War der Erfolg des Comic-Helden an den US-Kinokassen symptomatisch für die strategisch sinnvolle Fusion des Zeitschriftenverlags Time Inc. und der Warner Communications, so können die weiteren drei Batman-Filme in den 1990er Jahre nicht verhöhlen, dass sich die Filmabteilung desweltgrößte Medienkonzern in eine Krise hineinbewegte. Jedenfalls wenn es sich um ihren Comichelden aus Gotham City handelt.

Mit den Übernahme durch Aktientausch mit Ted Turners Turner Broadcastig Systems (TBS) und der Fusion mit AOL wuchs der Konzern zwar weiterhin. Das Wachstum war aber extern. Verwunderlich war das der ebenfalls im Konzernbesitz befindliche DC Comicverlag mit seinen unzähligen Vorlagen für die audiovisuelle Umsetzng so schlecht eingebunden war.

Erst Erfolge á la „Spider-Man“ (2002) und der ersten beiden „X-Men“-Filme (2000 und 2003), ließen die Warner-Oberen ihre beiden Comic-Helden neuerschaffen. Einerseits durfte der mit kostspieligen Filmen bisher unerfahrene Christopher Nolan Batman filmisch neu erschaffen, anderseits wurde der 20th Century Fox und dessen X-Men-Universum Bryan Singer entrissen und dieser durfte die Rückkehr des Super-Man gestalten.

(Nicht zu vergessen bleiben dürfen die unfruchtbaren Versuche von Tim Burton und Nicolas Cage im Revival von Superman. Auch Wolfgang Petersens Überlegungen, die schon in Comics aufeinandertreffenden Helden aus Metropolis und Gotham City ebenfalls auf der Kinoleinwand miteinander spielen zu lassen, schafften es nicht, die Development Hell zu verlassen. Vom Comic-Fan Kevin Smith ganz zu schweigen …)

In Deutschland hatte der Held aus dem Hause Time Warner schon seit dem ersten Film schlechte Karten. Hier die Zahlen:

  • 1989: „Batman“ verkauft rund 1,8 Millionen Kinokarten. Das Autisten-Drame „Rain Man“ mit Tom Cruise und Dustin Hoffman war in diesem Jahr die Nummer Eins in Deutschland. 5,7 Millionen Karten machen einen deutlichen Unterschied aus.
  • 1992: Tim Burton lies mehr Bösewichter auf Batman los, die Kinozuschauer im vereinten Deutschland dankten im aber nicht. Nur 967 757 Zuschauer wollen „Batmans Rückkehr“ sehen. Den berühmten Beinüberschlag von Sharon Stone ließen sich dagegen 4,4 Millionen Kinozuschauer nicht entgehen.
  • 1995: Nachdem sich Burton aus Gotham City verabschiedete und auch Hauptdarsteller Michael Keaton nur mit Burton als Regisseur auch das Bat-Kostüm anziehen wollte, mußte sich Warner Bros. nach Ersatz umsehen. Mit Joel Schumacher und Val Kilmer war dieser gefunden. Doch mit 1,3 Millionen Kinozuschauer konnte „Batman Forever“ nicht gegen den Zeichentrickfilm „König der Löwen“ (über 11 Millionen Zuschauer seit dem Kinostart Ende 1994) bestehen und landete nur auf dem 31. Platz der Jahresliste.
  • 1997: Joel Schumacher nahm zum zweiten Mal Platz auf dem Regiestuhl, doch wurde der damalige Fernsehstar George Clooney („Emergency Room“) als Titelheld gecastet. Mit Arnold Schwarzenegger in der Rolle des Bösewichts Mr. Freeze, daneben noch die bezaubernde, aber böse Uma Thurman und Chris O´Donell und Alicia Silverstone als überflüssige Bat-Unterstützer, war „Batman & Robin“ so überflüssig, wie ein Kühlschrank in der Arktis. Trotzdem verkauften sich rund 1,3 Millionen Kinokarten. Doch gegenüber dem Jahresbesten „Men in Black“ (7,3 Millionen Zuschauer) darf diese Zahl ebenfalls als Enttäuschung gewertet werden.
  • 2005: Die Kritiker freuten sich über die Neugeburt „Batman Begins“. Doch nur 888 376 Zuschauer wollten Christopher Nolans Inszenierung mit dem Charakterdarsteller Christian Bale sehen. „Harry Potter und der Feuerkelch“ zog als Vier-Quadranten-Film hingegen rund 7,3 Millionen Zuschauer an. Time Warner war aber sicher nicht traurig über Batmans Abschneiden, denn die filmische Abenteuer i Hogwarts werden ebenfalls durch den Medienkonzern verwertet.
  • 2008 (Prognose): Deutschland wird auch dieses Mal wieder nicht zum Heimspiel des Superhelden. „The Dark Knight“ wird es wie schon sein Vorgänger schwer haben, die Millionen-Zuschauergrenze zuüberwinden.

Interessant ist allerdings, dass Filme wie die drei „Spider-Man“-Filme aus dem Hause Sony (5,2 Mio., 3,3 Mio., 3,1 Mio.) und auch die „X-Men“-Reihe der News Corporation-Tochter 20th Century Fox (2,3 Mio., 1,9 Mio., 1,6 Mio.) deutlich mehr Kinozuschauer anziehen, als es Batman bisher gelang. Dem Time-Warner-Konzern wird dies aber nicht schmerzen. Denn der „The Dark Knight“-Erfolg trägt nur zu geringem Maße zum Gesamterfolg bei und spiegelt sich auch nicht im Aktienkurs wieder. Ein aufschlußreicher Artikel in der New York Times gibt dafür Erklärungsversuche ab. Und ab 2010 darf mit dem nächsten Abenteuer des dunklen Ritters gerechnet werden. Immerhin wurde der nächste Bösewicht schon eingeführt: Harvey Dent als Two-Face. Vielleicht wird dann auch der Joker wieder aus dem Off über den kommerziellen Erfolg lachen.

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3 Antworten to “The Dark Night – Auch der neue Batman-Film wird an der Kinokasse enttäuschen”

  1. Batman macht jagt auf Spider-Man, X-Men und vielleicht auch die Men in Black « Medien-Monopoly Says:

    […] Medien-Monopoly « The Dark Night – Auch der neue Batman-Film wird an der Kinokasse enttäuschen […]

  2. Ein Artikel in “Die Welt” ohne Nachrichtenwert « Medien-Monopoly Says:

    […] eine Comicverfilmung weltweit Kasse machte (auch in Deutschland, wo Comic-Verfilmungen – vor allem die Batman-Filme vor “The Dark Night” – deutlich schlechter beim zahlenden Publikum ankamen, als […]

  3. Blog-Einnahmen Januar 2009 « Medien-Monopoly Says:

    […] The Dark Night – Auch der neue Batman-Film wird an der Kinokasse enttäuschen […]

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