Senator Film hat keine Ausdauer und ändert Geschaftsstrategie


Voller Hoffnung erwarben im Oktober 2005 der Filmproduzent Marco Weber und der Medienanwalt Helge Sasse 50,1 Prozent der damals insolventen Senator Film. Auch Roland Berger, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung, und der ehemalige Bertelsmann-CEO Thomas Middelhoff beteiligten sich an der Filmfirma. Deren einzige Einnahmequelle war zu diesem Zeitpunkt die Filmbibliothek.

Der brachliegende Filmverleih mußte erst wieder aufgebaut werden. Vor allem die Filme der Weinstein Company wurden in Deutschland ausgewertet. Darunter fallen die beiden Grindhouse-Filme „Death Proof“ von Quentin Tarantino (574.000 Zuschauer) und „Planet Terror“ von Robert Rodriguez (150.000) und „Zimmer 1408“ (534.000 Zuschauer), aber auch Filme aus der Zusammenarbeit mit dem französischen Weltvertrieb Wild Bunch wie beispielsweise „Pan´s Labyrinth“ (290.000 Zuschauer).

Die Produktion deutschsprachiger Filme wurde ebenfalls wieder aufgenommen. Erfolgreichster Eigenproduktion war die Romanverfilmung „Vollidiot“ mit Oliver Pocher. 819.000 Zuschauer lösten ein Kinoticket. Dass der ursprünglich von Senator Film geplante Kinostart des Kanibalenfilms „Rothenburg“ in Deutschland untersagt wurde, liegt zwar nicht am Filmverleih, könnte aber als bezeichnend für das Agieren des Unternehmens angesehen werden.

Denn auf dem Papier sehen viele Senator-Filme prächtig aus. Denn wer möchte nicht den neuesten Tarantino-Film, eine Stephen King-Verfilmung oder den Oscar-Gewinner „Pan´s Laybrinth“ auswerten dürfen. Doch den Status eines Blockbusters erhielten die Filme des Berliner Unternehmens nicht.

Auch die Erfahrung von Marco Weber in der Herstellung von englischsprachigen Werken zeigte sich nicht. Mit Julia Roberts wurde eine der ersten Produktionen der US-Tochter Senator Entertainment geadelt. „Zurück im Sommer“ ist der unglückliche deutsche Titel des Films. Auch Unterhaltungsprodukte wie die Videospielverfilmung „Clock Tower“ oder „Unthinkable“ mit Samual L. Jackson wurden angekündigt.

Doch zum Betriebsergebnis der Senator Film konnten diese Filme bisher nichts beisteuern. Dass man sich auch in den US-amerikanischen Markt mit einem eigenen Verleih wagt oder besser wagen wollte, verursacht zuerst deutlich höhere Kosten als es ein kleines deutsches Filmunternehmen allein stemmen kann. Denn Massenstarts á la Paramount Pictures oder Warner Bros. und zusätzliche hohe Marketingkosten kann ein neugegründeter Kleinverleih durch die hohen Fixkosten des Filmgeschäfts schneller in den Ruin bringen, als man es sich wünschen kann.

Nachdem dann auch der Rücktritt Webers publik wurde und sich dieser zukünftig allein auf den US-Markt und die Produktion englischsprachiger Filme konzentrieren möchte, dafür dann auch die US-Tochter von der deutschen Mutter getrennt wird, spricht dies nicht für den Glauben an die eigene Geschäftsstrategie. Mit der Ankündigung, sich vor allem auf die Produktion und den Vertrieb von deutschen Filmen zu konzentrieren, wurde ein kompletter Wandel durchzogen.

Vor allem die Erklärung von Helge Sass in der Financial Times Deutschland,

Wir mussten in den vergangenen sechs bis acht Monaten erkennen, dass wir mit unseren internationalen Produktionen Geld verlieren

und der Begründung des Strategiewechsels mit

Für die Kehrtwende spricht auch, dass deutsche Filme staatlich gefördert werden

lässt kein langfristiges Denken im Unternehmen erahnen. Dabei zeigen vernächlassigt Senator Film den Medienmarkt, in dem es sich bewegt.

  1. Wenn sich Produktionen in Deutschland von deutschen Filmen mehr lohnen, als der Kauf von Lizenzen internationaler Filme, schaut die Unternehmensführung nur auf die Finanzierungsseite des Geschäfts. Durch den Deutsche Filmförderfonds (DFFF) und regionale Filmförderungen lassen sich die Produktionskosten minimieren. Doch müssen diese Kosten ebenfalls eingespielt werden und die Erlöse spielen bei der Strategieänderung scheinbar eine geringere Rolle. Doch was nützt es Senator, wenn die dann hergestellten Filme am Zuschauerinteresse vorbeigehen? Deutsche Filme sind mit einigen Ausnahmen nicht international vermarktbar. Auch ist die Konkurrenzsituation zwischen deutschen Filmen sehr angespannt. Viel zu wenige Filme können einen Erfolg wie „Keinohrhasen“ (2008) von und mit Til Schweiger nachweisen.
  2. Andere deutsche Filmfirmen können sich gegen die Tochterunternehmen der Hollywood-Majors durchsetzen. Constantin Film beweist mit internationalen Co-Produktionen („Asterix bei den Olympischen Spielen“, „Das Parfüm“), Lizenzprodukten („Step Up“) und Eigenproduktionen („Die Welle“), dass eine der Senator Film ähnlichen Strategie Erfolg haben kann. Der Leipziger Kinowelt Filmverleih bedient eine ähnliche Schiene. Die zur Tele München Gruppe gehörende Concorde Film, Tobis Film und der Prokino Filmverleih können mit ihren meist aus dem europäischen Ausland stammenden Filmen und einzelnen Eigenproduktionen sich ebenfalls am deutschen Kinomarkt behaupten. Dass sich viele der genannten Firmen auch in der Fernsehproduktion engagieren und neben dem Kinoverleih auch weitere Verwertungsmöglichkeiten ihr Eigen nennen, verringert das Risiko deutlich. Das Gleiche müßte dann auch für die Senator Film als „integriertes Medienunternehmen“ gelten.

Auch wenn sich für jedes unternehmerische Handeln Argumente finden lassen, müssen diese nicht gut sein. Marek´s Webblog hat sich auch mit dem Fall des Berliner Unternehmens beschäftigt und kritisiert zu Recht die mögliche Jürgen-Kliensmann-Manier der Senator Film. Schön ist dann auch dessen Frage:

Warum gibt es eigentlich nicht so ein Formular, auf dem ich ankreuzen kann, wofür meine Steuergelder genutzt werden soll.

Filme müssen sich nämlich nicht nur für das Medienunternehmen lohnen, sondern auch für die Zuschauer. Vor allem dann, wenn diese durch ihre Steuerzahlungen indirekt an der Filmproduktion beteiligt sind.

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2 Antworten to “Senator Film hat keine Ausdauer und ändert Geschaftsstrategie”

  1. Blog-Einnahmen im März 2009 « Medien-Monopoly Says:

    […] Senator Film hat keine Ausdauer und ändert Geschäftsstrategie […]

  2. Blog-Einnahmen im April 2009 « Medien-Monopoly Says:

    […] Senator Film hat keine Ausdauer und ändert Geschäftsstrategie […]

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