Google Chrome kämpft um den Eingang zum Internet


Heute veröffentlichte der Internetkonzern Google einen eigenen Browser. Interesanterweise wurde die Öffentlichkeit durch einen Comic von der neuesten Google-Aplikation informiert. Doch warum steigt das Unternehmen in den hart umkämpften Browsermarkt ein?

Im August fragte die New York Times nicht ohne Grund

Is Google a Media Company?

„Jein“ lautet die Antwort bisher.

Auf der einen Seite fehlt Google ein eigenständiger Contentbereich. Internationale Medienkonzerne wie Time Warner Inc, The Walt Disney Company oder Viacom Ic. besitzen Filmstudios, TV-Kanäle, Fernsehproduktionsunternehmen, Buch- und Zeitschriftenverlage. Sie verdienen Geld auf dem Käufer- und Anzeigenmarkt. Guter Content – was immer das auch heißen mag – zieht vermehrt interessierte Leser und Zuschauer an, welche für immer mehr Werbekunden interessant sind. Die höheren Einnahmen können in noch bessere Inhalte investiert werden, mehr und mehr Rezipienten wählen das Medienprodukt und die Werbeerlöse steigen. Natürlich funktioniert die Anzeigen-Auflagen-Spirale auch in die umgekehrte Richtung. Da Google aber keine eigenen Inhalte produziert, kann das Unternehmen nicht als Medienunternehmen angesehen werden.

Bejaht werden muß die Frage aber, wenn sich neben der Produktion von medialen Inhalten auch die Vertriebswege angeschaut werden. Klassische Old Media-Unternehmen besitzen Kabelnetze, betreiben Sateliten und Kinotheater. Der Zugang zum Internet, besser World Wide Web, wird mit Ausnahme der Time Warner-Tochter AOL vor allem von Telekommunikationsunternehmen angeboten. Google ist in diesem Markt kein dominierender Marktteilnehmer. Der Erwerb von US-amerikanischen Telefonlizenzen war ein erster Schritt im Telekommunikationsmarkt. Doch neben dem reinen Netzzugang, muß die konkrete Zugangssoftware zum Internet angesehen werden. Denn wer diesen dominiert kann die Userströme lenken. Beispielsweise auf Internetseiten, deren Inhalte andere Unternehmen erstellen, auf denen aber Google für die Vermarktung der Werbung verantwortlich ist. Und vor allem kräftig mitverdient.

Man muß also selbst keine Inhalte herstellen, sondern das Lenken der Rezipienten genügt, um von einem Medienunternehmen zu sprechen. Der heute vorgestellte Browser Google Chrome ist dabei eine weiteres Zahnrad, welches die selbstgestellte Aufgabe miterfüllt.

Wie schon oben geschrieben, bleibt die Antwort aber „Jein“. Denn nicht ohne Grund beschäftigen sich Kommunikationswissenschaftler schon seit den 1990er Jahren mit dem Schlagwort „Medienkonvergenz“. Ein reines Medienunternehmen ist Google schließlich immer noch nicht. Mehr ein Konvergent zwischen Medienkonzern und Telekommunikationsindustrie und zu guter letzt der IT-Branche.

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