„Der Baader Meinhof Komplex“ macht Constantin Film-Chef Fred Kogel glücklicher als Bernd Eichinger – Die Strategie des deutschen Filmunternehmes unter der Lupe


Wie ein Film zum Zuschauermagneten aufgebaut wird, ist dank Constantin Film an mehreren Beispielen sichtbar geworden.

  1. Man nehme ein auflagenstarkes Buch als Vorlage für einen Film. So geschah es mit „Der Untergang“ (2004) basierend auf Joachim Fests historischer Untersuchung der letzten elf Tage Adolf Hitlers im Führerbunker. Auch Patrick Süskinds von Stanley Kubrick als unverfilmbar bezeichnetes Werk „Das Parfüm“ (2006) wurde von der deutschen Filmproduktionsfirma für 10 Millionen Euro erworben. Als Macher im Hintergrund tauchte bei beiden Literaturverfilmungen der deutsche „Über“produzent Bernd Eichinger auf. Schon in den 1980er Jahren nahm sich der gebürtige Münchener den Jugendroman „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende vor und schuf in den Bavaria Studios einen sehenswerten Unterhaltungsfilm. Dann schlich Sean Connery in „Der Name der Rose“ (1986) durch die Klostergewölbe eines Franziskaner Ordens. Und 1993 erschien die englischsprachige Verfilmung von Isabel Allendes „Das Geisterhaus“. Dass sich Eichinger auch an die Verfilmung des nun in der dritten und überarbeiteten Auflage erschienenen Sachbuchs „Der Baader Meinhof Komplex“ (2008) des ehemaligen „Spiegel“-„Über“chefredakteurs Stefan Aust wagte, verwundert deshalb umso weniger.
  2. Natürlich versammeln sich nicht nur hinter der Kamera bedeutende Filmschaffende wie Wolfgang Petersen, Jean-Jaques Annaud, Bille August, Oliver Hirschbiegel, Tom Tykwer und aktuell Uli Edel. Auf der Leinwand waren international bekannte Schauspieler wie Christian Slater, Michael Lonsdale, F. Murray Abraham, Meryl Streep, Jeremy Irons, Winona Ryder, Armin-Müller Stahl, Bruno Ganz, Thomas Kretschmann, Alexandra Maria Lara, Dustin Hoffman oder Alan Rickman. In „Der Baader Meinhof Komplex“ ist das who´s who der bekanntesten deutschen Akteure zu sehen, angefangen bei den Haupdarstellern Moritz Bleibtreu als Andreas Baader, Martina Gedeck als Gudrun Enslin, Johanna Wokalek als Ulrike Meinhof und diesmal den nur als Nebendarsteller eingesetzten Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Hannah Herzsprung, Stipe Eceg, …..
  3. Werbung muss natürlich ebenfalls sein. Viel besser als die bezahlten verkaufsfördernden Maßnahmen, sind natürlich Kooperationen mit Verlagen (die das zu Grunde liegende Werk in einer Filmversion auf den Buchmarkt bringen), Fernsehsendern (die sich an der Finanzierung beteiligen, damit die TV-Rechte erwerben und somit ein Interesse besitzen, ihr „eigenes“ Produkt so gut und oft wie möglich auf dem eigenen Kanal zu bewerben, auch wenn es nach redaktionellem Inhalt aussieht) und natürlich den meinungsbildenden Printmedien (teilweise Exklusiv-Geschichten, die sich bemerkbar auf den Titelseiten wieder finden und Konkurrenzprodukte zwingen, ebenfalls über die neueste, beste, weil teuerste deutsche Filmproduktion zu berichten).

Mit „Der Baader Meinhof Komplex“ war ein Erfolg vorprogrammiert. Constantin Film-Chef Fred Kogel sprach gegenüber dem Handelsblatt auch davon, dass

Der Film soll noch mehr Zuschauer in die Kinos locken als der Blockbuster „Die Welle“.

Nach dem ersten Kinowochenende scheint dieser Wunsch auch in Erfüllung zu gehen. 414.814 Zuschauer sahen den 150 Minuten langen Film innerhalb der ersten vier Auswertungstage. Mit diesem Ergebnis musste sich der deutsche Film zwar der Disney-Pixar-Produktion „Wall-E“ (2008) geschlagen gegeben (580.000 Kinozuschauer am Startwochenende). Doch kämpfen beide Streifen nicht um die gleiche Zielgruppe. „Der Baader Meinhof Komplex“ wird in den nächsten Wochen nur merklich an Zuschauerinteresse verlieren. Genauso wie Eichingers „Der Untergang“ ist der RAF-Film ein Must-See. Denn ganz egal wie der Film von Rezensenten und Publikum bewertet wird – und die Kritiken sind eher mäßig. Die Menschen möchten mitreden, wenn es um das Thema Terrorismus in Deutschland geht. Dazu muss aber der Film gesehen worden sein.

Mit seinen über 4,8 Millionen Zuschauern wird „Der Untergang“ aber uneinholbar für den neuesten Constantin Film-Film sein. Zweifelhaft ist außerdem, ob „Der Baader Meinhof Komplex“ nicht zu komplex und speziell deutsch ist, um bei der Oscar-Verleihung 2009 überhaupt Berücksichtigung zu finden und es unter die letzten fünf Filme in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ zu schaffen.

Unterm Strich ist der Geschichtsfilm ein Erfolg. Nicht nur Austs Buch wird wieder in den Bestsellerlisten landen (ein Verweis auf den Zusammenhang zwischen Kinofilmproduktion und dessen verkaufsfördernde Wirkung auf dessen Originalquelle) und auch Constantin schlägt sein Schnäppchen. Nicht zu vergessen darf dabei auch die ARD sein. Regisseur Uli Edel filmte mehr Material, welches demnächst als Zweiteiler über die Fernsehschirme flimmern wird. Vielleicht ist die längere Fassung schlüssiger und spannender, als es die Kinoversion war.

Weil Constantin Film scheinbar ein Patent auf die Doppel-Kino-Fernseh-Adaption erfolgreicher Literatur besitzt, ist dann auch für den Herbst 2009 „Die Päpstin“ angekündigt. Sönke Wortmann ersetzte aus unerklärlichen Gründen Volker Schlöndorff und inszeniert Johanna Wokalek in der Donna Cross-Verfilmung. Auf ein mediales Primborium erster Klasse darf sich schon heute gefreut werden und sicherlich wird wieder vom „Filmereignis des Jahres“ gesprochen werden.

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3 Antworten to “„Der Baader Meinhof Komplex“ macht Constantin Film-Chef Fred Kogel glücklicher als Bernd Eichinger – Die Strategie des deutschen Filmunternehmes unter der Lupe”

  1. Batman macht jagt auf Spider-Man, X-Men und auch die Men in Black « Medien-Monopoly Says:

    […] Stiller, Robert Downey Jr., Jack Black und Tom Cruise und die Verfilmung von Stefan Austs Sachbuch “Der Baader-Meinhof Komplex” werden aber unterschiedliche Zuschauergruppen ansprechen und somit für “The Dark […]

  2. Dass die ARD die Filmrechte an einer eigenen Produktion kauft, ist keine Nachricht « Medien-Monopoly Says:

    […] Medien-Monopoly « “Der Baader Meinhof Komplex” macht Constantin Film-Chef Fred Kogel glücklicher als Bern… […]

  3. Bernd Eichinger macht das, was der deutsche Filmproduzent am besten kann « Medien-Monopoly Says:

    […] letzt geschah dies bei “Der Baader Meinhoff Komplex“. Constantin Film stemmte neben anderen Medienunternehmen das Budget und überlies Eichinger […]

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