Ein Artikel in „Die Welt“ ohne Nachrichtenwert


Hanns-Georg Rodek, Feuilleton-Redakteur der Zeitung „Die Welt“, merkt an, dass James Camerons Allzeitrekord an den Kinokassen mit dem Film „Titanic“ nur harrscharf nichtgebrochen wurde. Im Rückblick auf das letzte Kinojahr und deren wirtschaftlichen Stellenwert für die Unterhaltungsbranche, scheint die Überschrift des Artikels

Im Kino wackelt jetzt der „Titanic“-Rekord

mehr zu versprechen, als es eigentlich zu berichten gibt. Denn die für Journalisten wichtigen Nachrichtenwerte bedient der Autor nicht. Angefangen bei Walter Lippmann, über Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge bis hin zu Winfried Schulz formulierten verschiedene Kommunikationswissenschaftler Eigenschaften, die erfüllt sein sollten, damit über ein Ereignis auch berichtet wird. (Ob diese Eigenschaften schon dem Ereignis angehören oder diese erst vom Journalisten zugeschrieben werden, lasse ich jetzt außen vor.) Um es kurz zu machen, schaue ich mir nur die vier Lippmannschen Nachrichtenwerte an:

  • Nähe: Ist bei diesem Artikel nur geografisch, nicht aber zeitlich gegeben. Filme machen an Staatsgrenzen keine Halt, sofern diese an ein globales Publikum gerichtet werden. Zwar sind die nationalen Publikumsinteressen sehr unterschiedlich, doch dass mit „The Dark Night“ eine Comicverfilmung weltweit Kasse machte (auch in Deutschland, wo Comic-Verfilmungen – vor allem die Batman-Filme vor „The Dark Night“ – deutlich schlechter beim zahlenden Publikum ankamen, als beispielsweise in Nordamerika oder dem Vereinigten Königreich) und der erfolgreichste Film des letzten Filmjahres wurde, ist erstens durch die Dominanz des US-amerikanischen Kinos weltweit demzufolge auch naheliegend, dass darüber berichtet wird. Doch zeitlich ist der Bericht überhaupt nicht nah am Ereignis. Denn seit spätestens Ende August letzten Jahres dürf auch dem letzten Beobachter der Kinobranche klar gewesen sein, dass kein anderer Sommer-Blockbuster-Film und auch kein bis zum Ende des Jahres anlaufender Film, die 500-Millionen-Einspielmarke allein in den USA und Kanada toppen würde.
  • Prominenz: Man nehme den erfolgreichsten Film seit Beginn des Blockbusterkinos – „Titanic“ – und zusätzlich noch den erfolgreichsten Film des letzten Jahres. Dann vergleiche man die Einspielergebniszahlen underwähne nur solche in seinem Artikel, die für die eigene Argumentation hilfreich sind. Denn hätte Rodeck nicht nur beide sehr bekannten Filme in einen Topf geworfen, sondern ehrlicherweise auch das weltweite Einspielergebnis miteinander verglichen, die Leser des Blattes aus dem Axel Springer Verlag hätten keinen solchen Artikel lesen zu brauchen
  • Überraschung: Im zwei europäischen Kinomärkten fiel 2008 der Einspielrekord von „Titanic“. Um es ganz klar zu sagen: Dies ist keine Überraschung!
  • Konflikt: Wohl kaum kann in diesem Artikel vom einem solchen gespochen werden.

Einzig positiv anzumerken sind zwei Punkte, die Rodeck zum Ende erwähnt. Einerseits sollten nicht nicht-inflationsbereinigte Werte miteinander verglichen werden und andererseits geben Kinozuschauerzahlen ein viel genaueres Bild über das Interesse an einem Film wieder als es Box-Office-Zahlen können. Für einen Filmverleiher ist es zu recht wichtig, ob der Zuschauer am Sonnabendabend ins Kino ging und einen vollen Preis bezahlte oder an einem Kinotag. Davon sind seine Einnahmen abhängig. Dochfür mich als Außenstehenden sind im Vergleich über mehrere Jahre und Jahrzehnte Zuschauerzahlen aussagekräftiger.

via angelaufen.de

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3 Antworten to “Ein Artikel in „Die Welt“ ohne Nachrichtenwert”

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