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Steven Soderberghs nächster No-Budget Film

2. April 2009

Steven Soderbergh ist ein Wandler zwischen den Welten. Auf der einen Seite bescherte uns der Filmemacher Gute-Laune-Kino wie Oceans Eleven bis Thirteen mit George Clooney, Brad Pitt und Co. und langweilte mit keinem weiteren Abenteuer der Räuber, da sich die filmische Umsetzung von Film zu Film veränderte. Auch die Elmore Leonard-Verfilmung „Out of Sight“ war intelligentes Hollywood-Kino und unterstrich schon 1998, dass der ehemalige „Emergency Room“-Star der geborene Nachfolger von Cary Grant ist.

Gemeinsam produzierten sie danach auch unzählige Filme, bis sich die Interessenlage der beiden Filmemacher deutlich auseinander bewegte. Clooney wollte neben seiner Arbeit vor einer Filmkamera weiterhin Filme produzieren, Soderbergh hingegen sah sich mehr als Filmemacher, denn als Produzent.

Auf der anderen Seite war und ist Steven Soderbergh einer der bekanntesten Filmemacher im sogenannten Independent-Milieu. Angefangen bei seinem Erstling „Sex, Lügen und Video“ über den kunstvollen B-Film „The Limey“ bis hin zu „Bubble“, schaffte der Regisseur finanziell günstige Filme, die durch seinen Namen einem größerem Publikum überhaupt erst interessant gemacht wurden.

Wirtschaftlich erfolgreich waren diese nicht unbedingt. Doch konnte es sich Soderbergh leisten, nach einer teuren Hollywood-Produktion, auch kleinere Filme zu drehen. Denn wer an Soderberghs Erfolgen Anteil haben möchte, verscherzt es sich mit dem Filmemacher nicht und finanziert dessen Ausflüge in die Nische des Kunst- und Low-Budget-Films gern.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Film „Full Frontal“ (2002). Soderbergh verpflichtete sich zu diesem Film gern, da die produzierende Miramax Films im Gegenzug den Abschluss von Godfrey Reggios Dokumentarfilm-Trilogie – „Naqoyqatsi“ ebenfalls aus dem Jahr 2002 – ebenfalls finanzierte. (Beschrieben wird dieser Deal in Peter Biskinds Down and Dirty Pictures. Miramax, Sundance, and the Rise of Independent Film: Robert Redford, Miramas and the Improbable Rise of Independent Film“.)

Als Mark Cuban und Todd Wagner einen Sechs-Filme-Vertrag mit Soderbergh abschlossen, revolutionierten die Inhaber einer Filmproduktionsfirma (2929 Productions), eines Filmverleihs (Magnolia Pictures), einer Kinokette (Landmark Theatres) und eines US-amerikanischen Satellitensenders (HDnet) das bisherige Geschäftsmodell im Filmgeschäft.

Ein Film wird in den unterschiedlichen Auswertungskanälen nacheinander gebracht. Erst ins Kino, dann als DVD (oder früher als Videokassette) bevor dieser dann ins Pay- und Free-TV wandert.

Mit dem ersten Film „Bubble“ warfen Cuban, Wagner und Soderbergh das bisherige Auswertungsprozederre über den Haufen. Der Konsument konnte sich aussuchen, welche Auswertungsart er bevorzugt und boten den Film zeitgleich im Kino, auf einem Trägermedium für zu Hause oder über HDnet als Pay-Per-View-Ausstrahlung an. Verständlich ist, dass die großen Kinoketten in den USA den Film boykottierten. Ihre Vormachtstellung in der Verwertungsreihenfolge war durchbrochen, denn die Zuschauer mussten nicht zwangsläufig ins Kino rennen um den Film zu sehen.

In diesem Jahr kommt nun „The Girlfriend Experience“ – der zweite Film des Vertrags – heraus und wiederholt liegt es in der Macht des Zuschauers, über welchen der Film gesehen wird. Mit einem Budget von nur 1,7 Millionen US-Dollar und in 16 Tagen gedreht, kann der Film mit Pornostar Sasha Grey dann auch zurecht als No-Budget-Produktion angesehen werden. (Mit dieser Summe lässt sich in Deutschland wunderbar ein qualitativ guter Film produzieren und wäre als Middle-Budget-Werk zu qualifizieren.)

Grey ist dabei fast als einzige professionelle Schauspielerin beschäftigt. Schon wie bei „Bubble“ rekrutierte Soderbergh vor allem Laiendarsteller. Das Filmposter wirbt dann auch nur mit Grey Profil und ein interessante Werbespruch lädt zum Sehen ein:

See it with someone you ****

Ob „The Girlfriend Experience“ in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch unbekannt. Auch wenn es keine simultane Auswertung geben würde, ist es aber sehr zweifelhaft, denn auch „Bubble“ ist nur als Import-DVD erhältlich. Dabei haben es beide Werke allein wegen des Namens Soderberghs verdient um den Filmemacher nicht nur wegen seiner Großproduktionen wie der „Oceans“-Reihe oder die beim Filmfestival in Cannes gezeigte Verfilmung der Tagebücher von Ernesto Che Guevara (entweder als ein Film wie auf dem Festival gezeigt oder in „Che“ und „The Argentine“ geteilt) zu bewerten.

Luc Bessons goldene Nase: „Taken“ ist Nummer 1 in den USA

1. Februar 2009

Das abgelaufene Wochenende steht und stand in den Vereinigten Staaten von Amerika vollkommen im Zeichen des Super Bowl XLIII. Das Endspiel der Football-Meisterschaft – in diesem Jahr zwischen den Arizona Cardinals und den Pittsburgh Steelers – wird wieder zum Straßenfeger. Die höchsten Einschaltquoten des Fernsehjahres wird Nielsen Ratings morgen verkünden. Vor allem Männer sitzen vor der Glotze und nicht erst am heutigen Sonntag, sondern schon das gesamte Wochenende stimmen sich die Sportfans auf das Spiel ein.

Deshalb war das Super Bowl-Wochenende in der Vergangenheit auch Tabu für den Kinostart eines vor allem Männer ansprechenden Spielfilms. 20th Century Fox demonstrierte aber, dass allherrgebrachte Regeln auch außer Kraft gesetzt werden können.

„Taken“ wie der Film aus dem Hause der französischen Produktionsfirma EuropaCorp. heißt, spielte am ersten Kinowochenende ein Box-Office von rund 24,6 Millionen US-Dollar ein. (In Deutschland trägt die Produktion den Titel „96 Stunden“ und läuft ab dem 19. Februar in den Kinos.)

Als Produzent und Drehbuchautor steht hinter dem Liam Neeson-Film Luc Besson. Mit „Subway“, „Im Rausch der Tiefe“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“ und „The Fifth Element“ machte der Regisseur auf sich aufmerksam.

In der Filmwelt wird sein Engagement als Inhaber der Produktions- und Verleihfirma EuropaCorp. aufmerksam verfolgt. Seit der Gründung im Jahr 1999 produzierte Besson die „Taxi“- und „The Transporter“-Filmreihen. Mit ersterer schaffte der Filmemacher vor allem in seiner Heimat einen Erfolg, die Jason Statham-Filme funktionierten wie Hollywood-Actionfilme weltweit. Grund dafür sind einerseits die kostengünstige Produktion und das Schielen auf den Weltmarkt, weshalb viele EuropaCorp.-Filme in englischer Sprache gedreht wurden. Genauso wie der Verfilmung des Spiels „Taken“ funktionierte die Produktion bei der Spieleadaption „Hitman“ (2008).

Finanzieren lassen sich die Filme schon durch Presales, so genannte Vorverkäufe vor Produktionsbeginn. Dadurch reduziert EuropaCorp. sein eigenes Risiko, denn die Firma ist nicht so sehr vom Erfolg im französischen Heimatmarkt abhängig wie andere Filmunternehmen.

„Taken“ hätte beispielsweise in den USA auch finanziell enttäuschend starten können. Denn schon vor der Auswertung im größten Kinomarkt der Welt, setzte der Film rund 68 Millionen US-Dollar um.

Schon während der Dreharbeiten äußerte sich der Chief Operator Officer Pierre-Ange Le Pogam sehr positiv über die geschäftliche Seite von „Taken“.

„If this movie were made in the U.S., it would cost $30 million to $40 million. We will make it for $25 million,“ including an estimated $5 million to Neeson. Sales to distributors–Fox plays that role in the U.S.–and to television have brought in $20 million so far. If Taken does only so-so, says Le Pogam, Europa will eventually net $5 million. It could do a lot better.

Selbst wenn die Höhe des Budgets nicht stimmt, „96 Hours“ ist ein Gewinnbringer. (Mehrere Zahlen schwirren im Internet herum: 30 und 45 Millionen US-Dollar. Zur Glaubhaftigkeit von Budgetangaben sind auch zwei sehr lesenswerte Artikel: Why everyone lies about their movie´s budget und Dodgy Budget Numbers) Die Rezensionen dagegen sind eher verhalten. Das wird Luc Besson aber egal sein. „Einen Film für die Kunst, einen für die Kasse“ scheint das Motto des europäischen Mini-Majors zu sein.

Einen Einführungskurs in die Kinowirtschaft, bitte!

1. Februar 2009

Ein paar Tage alt ist das Interview mit Tom Cruise schon, welches jetzt.de-Redakteur Tobias Kniebe anlässlich des Kinostarts von „Operation Walküre“ führen durfte (und indirekt auch auf sein eigenes Sachbuch zum Thema hinweisen). Über die Fragen und Antworten braucht an dieser Stelle kein Wort gefällt werden. Las man ein Interview mit dem United Artists-Teilhaber und Zuschauermagneten, das Gespräch zwischen Journalisten und Schauspieler lief ähnlich ab.

Kniebe allerdings begnügte sich nicht nur mit dem Stellen von Fragen und der Niederschrift des von Cruise gesagtem. Er ordnete, ergänzte und wertete die Antworten auch noch. Eigentlich kein Problem, denn dazu sind Journalisten da. Doch mit folgendem Satz disqualifiziert sich Kniebe selbst.

Was im November Wunsch war, ist heute Wirklichkeit. Der Film hat seine 75 Millionen Dollar in den USA eingespielt. Tom Cruises Instinkt also mal wieder: 100 Punkte. Blogger, Zweifler, Untergangspropheten, Scheinexperten: Null Punkte.

Der Wunsch bezieht sich aufeinen Box-Office-Erfolg für Cruise, United Artists (UA) und Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Doch nicht nur in Deutschland, auch in Cruise Heimat wurde am kommerziellen Erfolg gezweifelt. Gründe gab es genügend.

  • Der Filmstart wurde mehrfach verschoben. Erst sollte der Bryan Singer-Film im Sommer 2008 starten, dann im Herbst, auf einmal war von Februar 2009 die Rede, bis schließlich der US-amerikanische Kinoverleih Metro-Goldwyn-Mayer den Filmstart auf den 25. Dezember 2008 zurücklegte.
  • Von Nachdreharbeiten war die Rede. Ob dies stimmt oder seit Beginn der Produktion an, von weiteren Dreharbeiten ausgegangen wurde, kann nicht nachgeprüft werden. Doch das Gerücht vom schlechten Abschneiden des Films während einiger Testvorführungen stand im Raum.
  • Mit Paula Wagner verließ Tom Cruise seine langjährige Produzentin und Mitgesellschafterin bei United Artists. Wagner galt als die Frau mit den Fäden in den Händen ihrer gemeinsamen Filme, Cruise als das Aushängeschild von Cruise-Wagner Productions und später UA.

Bis heute hat „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ an den Kinokassen sogar annähernd 100 Millionen US-Dollar weltweit eingespielt. Doch damit Cruise-Instinkt als 100-prozentig richtig darzustellen ist falsch.

Unterschiedliche Angaben über die Produktionskosten existieren, auch ist für Außenstehende der finanzielle Umfang der Public Relations- und Werbeausgaben nur schwer zu beziffern. Nehmen wir als Produktionskosten mal die Zahl zwischen 80 und 100 Millionen US-Dollar – also 90 Millionen US-Dollar – und rechnen grob 40 Millionen US-Dollar für Werbeaufwendungen. Macht also Ausgaben von rund 130 Millionen US-Dollar für den in Babelsberg gedrehten Hollywood-Film.

Da aber nur rund die Hälfte des Kinoeinspielergebnisses an den Filmverleih geht, dieser seine eigenen Unkosten – beispielsweise für die Herstellung von Filmkopien – begleichen wird, geht davon noch ein kleinerer Teil an die Produktionsfirma zurück. Einfach ausgedrückt: „Valkyrie“ müsste rund 260 Millionen US-Dollar an den Kinokassen einspielen, um seine Produktionskosten begleichen zu können. Von einem Gewinn kann dann noch keine Rede sein.

(Über Presales, so genannte Vorverkäufe, sicherte United Artists die Produktion ab. Beispielsweise kaufte Wide Pictures die Verwertungsrechte in Spanien. Damit gehen aber auch alle spanischen Einnahmen an diese Firma.)

Natürlich gibt es weitere Auswertungsarten. Dem Kino folgt der Home Entertainment-Markt mit DVDs und Blue-Ray, dann Pay-Per-View, Pay- und Free-TV. Über die gesamte Auswertungszeit bis der Bryan Singer-Thriller in den Kassenbüchern der Filmfirma buchhalterisch abgeschrieben ist, sollten sich die Kosten amortisiert haben.

Trotzdem allen Kritikern vors Schienbein zu treten und ihnen Null Punkte für ihre „Vorhersage“ zu geben, ist nicht richtig. Zwar ist „Valkyrie“ nicht der mögliche Totalflop geworden, Tom Cruise kommt aber nur mit einem blauen Auge davon. Und Kniebe hat in einem Punkt Recht: Cruise erfolgreichster Film liegt gar nicht solange zurück, wie viele Zeitgenossen denken: „Krieg der Welten“ aus dem Jahr 2005. Hinter der Kamera stand aber Steven Spielberg, dieser setzte seinen persönlichen Stempel auf den Invasions-Thriller und auch achtet der „Indiana Jones“-Regisseur peinlich genau darauf, dass seine Filme ihr Geld auch einspielen. Dass Cruise schadhaftes Verhalten im Rahmen der Film-PR an den Tag legte und somit einen noch viel größeren wirtschaftlichen Erfolg für Spielberg, Dreamworks Pictures, Paramount Pictures und sich selbst verhinderte, darf heute nicht vergessen werden. „Valkyrie“ ist dabei kein 100 Punkte-Erfolg für Cruise. Maximal 50 Punkte hat er für seine Leistung verdient.

The Dark Night – Auch der neue Batman-Film wird an der Kinokasse enttäuschen

21. August 2008

Nach 33 Tagen in den nordamerikanischen Kinos sprechen sagenhafte 475 Millionen Dollar Einspielergebnis eine eindeutige Sprache für das neueste Batman-Abenteuer. Von einem Blockbusterergebis wurde ausgegangen, doch schon das erste Wochenende überraschte die Beobacher Spieler der Hollywood Stock Exchange (HSX). (more…)

Geplatzte Träume! Tom Cruise und Paula Wagner entfernen sich von United Artists

19. August 2008

United Artists bestimmte die Nachrichtenlage in Hollywood der letzten Woche. Nachdem Nikki Finke am Montag von Differenzen zwischen Tom Cruise und Paula Wagner berichtete und sich dabei auf ungenannte Quellen bezog, machte das MGM-Schwesterstudio mehrfach Rede von sich: (more…)

In Hollywood wird sich nichts ändern

3. August 2008

Spasseshalber suchte ich nach dem Schlagwort „Hollywood“ über eine sehr große Suchmaschine in der Blogosphäre. Schon vorher ließ ich die Blogospäre durchsuchen. Meine Erfahrungen waren aber negativ. (Vielleicht waren es aber auch nur die Suchergebnisse.) Nur wenige Posts deckten sich mit meinen Interessengebieten. Ich suchte nach Einträgen über amerikanischen Filmstudios: Metro-Goldwyn-Mayer, Warner Bros., Paramount Pictures, 20th Century Fox, Columbia Pictures, Universal Pictures und United Artists. Die damals großen Sieben Hollywood-Studios. Als Treffer erhielt man unzählige missratene Kopien von Berichten aus professionellen Quellen. (Eigentlich müssten diese als Beleg angegeben werden, doch ist mir es die Mühe nicht Wert, diesen schlechten Internetseiten Verweise zu geben.) (more…)