Posts Tagged ‘Lokaljournalismus’

Drei Platzhirsche in der Greifswalder Blogosphäre

23. Juni 2010

Im Vergleich zu vielen anderen Lokalmärkten mit nur einer Tageszeitung als Anbieter von ortsbezogenen Nachrichten, steht der Greifswalder Öffentlichkeit ein breiteres Angebot zur Verfügung. Neben der Lokalredaktion der Ostsee-Zeitung bietet Greifswald TV (G-TV) eine werktägliche Nachrichtensendung an.

Bemerkenswert für die Stadt am Ryck ist aber das breit aufgestellte Angebot an (Lokal-)Blogs. Meist stehen Studierende bzw. Absolventen hinter dem Angebot. Thematisch schlagen sich diese vor allem mit der Universität Greifswald und der Lokalpolitik in der vorpommerschen Stadt herum.

Damit ergänzen diese Angebote die Palette an verfügbaren Informationen. Vor allem die Diskussionsmöglichkeiten können als Vorbild für die „klassischen“ Medienanbieter gelten.

Natürlich ist die Berichterstattung sehr selektiv und – verständlicherweise – auch meist personalisiert und inhaltlich einseitig. Trotzdem: Ohne die lokalen Blogs wäre die Greifswalder Öffentlichkeit weniger interessant.

Als Platzhirsche können die Blogs von Joachim Schmidt, Oliver Wunder und den der webmoritz-Redaktion genannt werden.

Schmidts Blog („Geschichten aus Greifswald – politisch, polemisch, positioniert“) ist lesenswert, weil immer wieder auf lokale Ereignisse Bezug genommen wird, die dann meist sachlich diskutiert werden. Die Kommentarfunktion wird – subjektiv! – oft genutzt und wertet seine Arbeit auf. Als empfehlenswerte Beiträge der letzten Zeit können folgende zwei Beispiele gelten:

  • In „Abstimmung über die neue webmoritz-Chefredaktion“ trug Schmidt viele Information über die beiden Kandidaten zusammen, die – meiner Ansicht nach – einen Anteil an der nach der Nichtwahl Torsten Heils zum stellvertretenden Chefredakteur des webmoritz entstandenen Diskussion hatten.
  • Als Gegenstück zur Kritik am diesjährigen Greifswald International Students Festival des webmoritz, rieb sich Schmidt an einzelnen Punkten und nutzte seine Innenperspektive – er war am Festival beteiligt – zum besseren Verständnis der Abläufe im Verein Gristuf e.V. und der Organisation einer solchen Mammutveranstaltung.

Wunders Blog ist inhaltlich persönlicher gehalten. „Alles rund ums Rad“ könnte eine von vielen regelmäßig erscheinenden Kolumnen heißen. Mir gefällt, dass der Geografiestudent sich nicht nur auf seinem eigenen Blog tummelt und regelmäßig auf anderen Greifswalder Blogs kommentiert.

Das von Studierendenparlament der Greifswalder Hochschule als Herausgeber und von Studenten inhaltlich gefüllte Projekt webmoritz darf in der Darstellung der Greifswalder Lokalöffentlichkeit nicht fehlen. Von Sebastian Jabbusch über Uwe Roßner und wieder Jabbusch bis hin zur letzten Chefredaktion – Gabriel Kords und Carsten Schönebeck – ist eine riesige Entwicklung zu beobachten. Marco Wagner tritt als Chefredakteur in große Fußstapfen; derzeit noch ohne weitere Unterstützung in der Chefredaktion. (Disclaimer: Der Autor arbeitete in der Redaktion des moritz-magazins, einer ebenfalls zu den moritz-medien gehörenden Publikation.)

Die ausufernden Diskussionen zum Namenspatron der Uni Greifswald mögen dem webmoritz in der Vergangenheit geschadet haben; die Leserzahlen waren hingegen enorm. Hervorzuheben sind in meinen Augen folgende Aspekte:

  • Greifswalder Studenten wird mit dem webmoritz die Möglichkeit eröffnet, Erfahrungen im Onlinejournalismus zu erhalten.
  • Der vor allem in der Vorlesungszeit hohe Output an Beiträgen, vergrößert die lokale Öffentlichkeit, denn einerseits werden eigenständige Themen veröffentlicht und andererseits bieten sich Diskussionsmöglichkeiten über die Inhalte und die Art der Berichterstattung, welche als nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Wenn es nur um die Quantität geht, können es die Beiträgen der Blogs nicht mit der Arbeit der Redaktionen von Ostsee-Zeitung und Greifswald-TV aufnehmen. Das sollte auch niemals das Ziel sein! Denn Qualität geht vor: Lieber lese ich weniger Blogbeiträge, dafür aber durchdachte und recherchierte Texte. Und als Watchdogs gegenüber dem Etablierten – nicht nur im Lokaljournalismus – fungieren (die) Blogs wunderbar.

    Advertisements