Posts Tagged ‘MGM’

Steven Bach ist tot

1. April 2009

Der US-amerikanische Filmproduzent Steven Bach verstarb am 25. März. In die Filmgeschichte ging er wegen seiner Mitverantwortung für das Ende des Hollywood-Studios United Artists als eigenständiges Filmunternehmen ein.

Während Bachs Amtszeit als Head of Worldwide Productions  kamen finanziell erfolgreiche Filme wie die James Bond-Produktion „Moonraker – Streng Geheim“, „Rocky 2“ von und mit Sylvester Stallone oder Woody Allens „Manhattan“ mit dem UA-Logo in die Kinos. Ende der 1970er Jahre war auch künstlerisch eine sehr erfolgreiche Zeit für das Filmstudio. (Jedenfalls wenn Filmpreise wie der Academy Award als Gradmesser für hohe Kunst stehen.)

Martin Scorcesses „Wie ein wilder Stier“ mit Robert De Niro oder „Being There“ mit Peter Sellers als Mr. Chance sahnten Oscars, Baftas, … ab.

Gescheitert ist Bach hingegen mit einem eigentlich todsicheren Film: „Heavens Gate“. Regisseur Michael Cimano war frisch gekürter Oscargewinner für den Antikriegsfilm „Die durch die Hölle gehen“. Man mag es kaum glauben, aber die Darsteller Kris Kristofferson und Christopher Walken waren angesagte Künstler. Und mit der Westerngeschichte bediente United Artists das klassistischte aller amerikanischen Filmgenres. (Auch wenn deren erfolgreiche Zeit schon in den 1960er Jahren endete und auch Streifen wie „Erbarmungslos“ nicht für ein Revival des Genres sorgten.)

Die katastrophale Entstehungsgeschichte dokumentierte Bach dann auch selbst. 1985 erschien das lesenswertes Buch „Final Cut: Art, Money, and Ego in the Making of Heaven’s Gate, the Film That Sank United Artists“ und gehört heute zu den wichtigsten Darstellungen einer einzelnen Filmproduktion. Schon während der Buchveröffentlichung änderte sich die Meinung über „Heaven´s Gate“. Waren die Kritiken ursprünglich sehr negativ, schuf sich der Western durch die unzähligen Wiederholungen im US-amerikanischen Kabelkanal Z-Channel ein große Fanbasis, die sich mit der nach der Uraufführung gekürzten Filmfassung nicht zufrieden gaben. Trotzdem war die Karriere für Regisseur Michael Cimano zu Ende. Denn das ausufernde Filmbudget wird und wurde dem Filmemacher angekreidet.

Auch United Artists verschwand in der gewohnten Form. Kirk Kerkorian, Inhaber von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), kaufte im März 1981 United Artists von deren Mutterkonzern ab und schuf MGM/UA. Die unter anderem von Charlie Chaplin und Mary Pickford 1919 gegründete Filmgesellschaft ist seitdem nur noch ein Schatten ihrer selbst und kann auch nach dem Einstieg des Schauspielers Tom Cruise in die Filmfirma nicht an alte Erfolge anknüpfen.

Sehr sehenswert ist die nach Bachs Buch entstandener TV-Dokumentarfilm „Final Cut: The Making and Unmaking of Heaven’s Gate“ aus dem Jahr 2004.

Empfehlungen:

Einen lesenswerten Nachruf auf Steven Bach lieferte William Grimes in der New York Times (NYT). The HMSS Weblog stellt Bachs Rolle während der Dreharbeiten am 007-Film „Moonraker“ mit Roger Moore dar. Während der 2005er Berlinale wurde dem Publikum die 225 Minuten lange Fassung in restaurierter Form gezeigt. Hier nun das dazugehörige Filmheft als pdf-Dokument.

Einen Einführungskurs in die Kinowirtschaft, bitte!

1. Februar 2009

Ein paar Tage alt ist das Interview mit Tom Cruise schon, welches jetzt.de-Redakteur Tobias Kniebe anlässlich des Kinostarts von „Operation Walküre“ führen durfte (und indirekt auch auf sein eigenes Sachbuch zum Thema hinweisen). Über die Fragen und Antworten braucht an dieser Stelle kein Wort gefällt werden. Las man ein Interview mit dem United Artists-Teilhaber und Zuschauermagneten, das Gespräch zwischen Journalisten und Schauspieler lief ähnlich ab.

Kniebe allerdings begnügte sich nicht nur mit dem Stellen von Fragen und der Niederschrift des von Cruise gesagtem. Er ordnete, ergänzte und wertete die Antworten auch noch. Eigentlich kein Problem, denn dazu sind Journalisten da. Doch mit folgendem Satz disqualifiziert sich Kniebe selbst.

Was im November Wunsch war, ist heute Wirklichkeit. Der Film hat seine 75 Millionen Dollar in den USA eingespielt. Tom Cruises Instinkt also mal wieder: 100 Punkte. Blogger, Zweifler, Untergangspropheten, Scheinexperten: Null Punkte.

Der Wunsch bezieht sich aufeinen Box-Office-Erfolg für Cruise, United Artists (UA) und Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Doch nicht nur in Deutschland, auch in Cruise Heimat wurde am kommerziellen Erfolg gezweifelt. Gründe gab es genügend.

  • Der Filmstart wurde mehrfach verschoben. Erst sollte der Bryan Singer-Film im Sommer 2008 starten, dann im Herbst, auf einmal war von Februar 2009 die Rede, bis schließlich der US-amerikanische Kinoverleih Metro-Goldwyn-Mayer den Filmstart auf den 25. Dezember 2008 zurücklegte.
  • Von Nachdreharbeiten war die Rede. Ob dies stimmt oder seit Beginn der Produktion an, von weiteren Dreharbeiten ausgegangen wurde, kann nicht nachgeprüft werden. Doch das Gerücht vom schlechten Abschneiden des Films während einiger Testvorführungen stand im Raum.
  • Mit Paula Wagner verließ Tom Cruise seine langjährige Produzentin und Mitgesellschafterin bei United Artists. Wagner galt als die Frau mit den Fäden in den Händen ihrer gemeinsamen Filme, Cruise als das Aushängeschild von Cruise-Wagner Productions und später UA.

Bis heute hat „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ an den Kinokassen sogar annähernd 100 Millionen US-Dollar weltweit eingespielt. Doch damit Cruise-Instinkt als 100-prozentig richtig darzustellen ist falsch.

Unterschiedliche Angaben über die Produktionskosten existieren, auch ist für Außenstehende der finanzielle Umfang der Public Relations- und Werbeausgaben nur schwer zu beziffern. Nehmen wir als Produktionskosten mal die Zahl zwischen 80 und 100 Millionen US-Dollar – also 90 Millionen US-Dollar – und rechnen grob 40 Millionen US-Dollar für Werbeaufwendungen. Macht also Ausgaben von rund 130 Millionen US-Dollar für den in Babelsberg gedrehten Hollywood-Film.

Da aber nur rund die Hälfte des Kinoeinspielergebnisses an den Filmverleih geht, dieser seine eigenen Unkosten – beispielsweise für die Herstellung von Filmkopien – begleichen wird, geht davon noch ein kleinerer Teil an die Produktionsfirma zurück. Einfach ausgedrückt: „Valkyrie“ müsste rund 260 Millionen US-Dollar an den Kinokassen einspielen, um seine Produktionskosten begleichen zu können. Von einem Gewinn kann dann noch keine Rede sein.

(Über Presales, so genannte Vorverkäufe, sicherte United Artists die Produktion ab. Beispielsweise kaufte Wide Pictures die Verwertungsrechte in Spanien. Damit gehen aber auch alle spanischen Einnahmen an diese Firma.)

Natürlich gibt es weitere Auswertungsarten. Dem Kino folgt der Home Entertainment-Markt mit DVDs und Blue-Ray, dann Pay-Per-View, Pay- und Free-TV. Über die gesamte Auswertungszeit bis der Bryan Singer-Thriller in den Kassenbüchern der Filmfirma buchhalterisch abgeschrieben ist, sollten sich die Kosten amortisiert haben.

Trotzdem allen Kritikern vors Schienbein zu treten und ihnen Null Punkte für ihre „Vorhersage“ zu geben, ist nicht richtig. Zwar ist „Valkyrie“ nicht der mögliche Totalflop geworden, Tom Cruise kommt aber nur mit einem blauen Auge davon. Und Kniebe hat in einem Punkt Recht: Cruise erfolgreichster Film liegt gar nicht solange zurück, wie viele Zeitgenossen denken: „Krieg der Welten“ aus dem Jahr 2005. Hinter der Kamera stand aber Steven Spielberg, dieser setzte seinen persönlichen Stempel auf den Invasions-Thriller und auch achtet der „Indiana Jones“-Regisseur peinlich genau darauf, dass seine Filme ihr Geld auch einspielen. Dass Cruise schadhaftes Verhalten im Rahmen der Film-PR an den Tag legte und somit einen noch viel größeren wirtschaftlichen Erfolg für Spielberg, Dreamworks Pictures, Paramount Pictures und sich selbst verhinderte, darf heute nicht vergessen werden. „Valkyrie“ ist dabei kein 100 Punkte-Erfolg für Cruise. Maximal 50 Punkte hat er für seine Leistung verdient.

Die ersten sechs Minuten von „Operation Staufefenberg – Das Hitler-Attentat“ sind online

15. Januar 2009

In den USA läuft „Valkyrie“ wie Tom Cruises neuester Film im Original heißt schon seit Weihnachten im Kino. Überraschend hoch, vor allem aber seit dem Filmstart stabil blieb das Einspielergebnis in Nordamerika.

Nun veröffentlichten Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und United Artists (UA) den Anfang des Bryan Singer Films online. Dafür würde die Trailer-Plattform von Apple genutzt. Wie zu erwarten lud jemand die ersten sechs Minuten von „Operation Walküre“ auch bei youtube.com hoch. (Auf torrent-Seiten könnten Filmgeeks möglicherweise für die restlichen 114 Minuten fündig werden.)

20th Century Fox veröffentlicht den zweiten United Artists-Film unter der Ägide von Tom Cruise am 22. Januar.

Auch der 22. James Bond-Film „Ein Quantum Trost“ wird von United Artists produziert

24. Oktober 2008

Die ersten Filmrezensionen erscheinen in diesem Tagen zum neuesten James Bond-Film und sind durchweg positiv. Bemerkenswert ist vor allem die deutlich kürzere Laufzeit von „Quatum of Solace“ (englischsprachige Titel) von nur 106 Minuten. Dafür dass sich 007 an den Mördern von Vesper Lynd rächen möchte, scheint der Film viel zu kurz. Denn in „Casino Royale“ brauchten die Filmemacher 144 Minuten, um die Ursprünge des von Daniel Craig erstmals gespielten Geheimagenten zu lüften.

Am interessantesten ist aber der Fakt, dass die unter anderem von Charlie Chaplin gergründete Filmfirma United Artists (UA) immer noch in den Filmcredits auftaucht. Bis 1997 war die Firma auch für den Geheimagenten allein zuständig, auch wenn UA schon seit 1981 zu Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) gehört. Erst mit einer Firmenumstruktierung nahm Leo, der Löwe die Zügel in die Hand und dekradierte somit United Artists zur Rolle des Mit-Copyright-Inhabers. (more…)

Tom Cruise läuft nicht über den roten Berlinale-Teppich

26. September 2008

Die falsche Überschrift mag zu entschuldigen sein. Immerhin tauchte die Phrase „Der neueste Tom Cruise-Film könnte als Eröffnungsfilm der Berlinale 2009 gezeigt werden“ in diversen seriösen Publikationen auf. Hier nur eine kurze Auflistung: (more…)

Wird „Walküre“ schon früher in deutschen Kinos zu sehen sein?

20. August 2008

„Nein“ lautet vorerst die Antwort von Peter Schulze, beim deutschen Verleih 20th Century Fox verantwortlich für den Tom Cruise-Film (und andere Filme der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und deren Tochter United Artists). Der Filmstart ist weiterhin auf den 5. Februar 2009 termiert. (more…)

Geplatzte Träume! Tom Cruise und Paula Wagner entfernen sich von United Artists

19. August 2008

United Artists bestimmte die Nachrichtenlage in Hollywood der letzten Woche. Nachdem Nikki Finke am Montag von Differenzen zwischen Tom Cruise und Paula Wagner berichtete und sich dabei auf ungenannte Quellen bezog, machte das MGM-Schwesterstudio mehrfach Rede von sich: (more…)

Trotz 500 Millionen Dollar-Kreditlinie: United Artists ist in der eigenen Starre gefangen

12. August 2008

United Artists verdient sein Geld mit Filmen. Erst als reiner Distributionsapparat, dann ab den 1950er Jahren auch mit Eigenproduktionen. Filme wie die „James Bond“-, „Rocky“- oder „The Pink Panther“- Reihen waren neben Erfolgen wie „West Side Story“ (1961), „Der Stadtneurotiker“ (1977), „Wie ein wilder Stier“ (1980), „Rain Man“ (1988) oder „The Birdcage“ (1995) nicht nur an der Kinokasse sehr erfolgreich, sondern standen immer auch in der Gründungstradition des Unternehmens. (more…)

Warum MGM-Chef Harry E. Sloan nicht in Louis B. Mayers Fußstapfen schlüpfen kann

7. August 2008

Über das alljährliche Sommerloch wird viel geschrieben. Da schaffen es Nachrichten auf die erste Seite, die eigentlich keine sind. Möchte man als Unternehmen positive Signale aussenden, die nachrichtenarme Zeit ist dafür besonders geeignet. Dies gilt auch für die US-amerikanische Filmindustrie. (more…)

In Hollywood wird sich nichts ändern

3. August 2008

Spasseshalber suchte ich nach dem Schlagwort „Hollywood“ über eine sehr große Suchmaschine in der Blogosphäre. Schon vorher ließ ich die Blogospäre durchsuchen. Meine Erfahrungen waren aber negativ. (Vielleicht waren es aber auch nur die Suchergebnisse.) Nur wenige Posts deckten sich mit meinen Interessengebieten. Ich suchte nach Einträgen über amerikanischen Filmstudios: Metro-Goldwyn-Mayer, Warner Bros., Paramount Pictures, 20th Century Fox, Columbia Pictures, Universal Pictures und United Artists. Die damals großen Sieben Hollywood-Studios. Als Treffer erhielt man unzählige missratene Kopien von Berichten aus professionellen Quellen. (Eigentlich müssten diese als Beleg angegeben werden, doch ist mir es die Mühe nicht Wert, diesen schlechten Internetseiten Verweise zu geben.) (more…)