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Parteien sind im Internet „drin“ – aber schlecht

23. Juni 2010

Selbstdarstellungen von Parteien im Internet dürfen nicht fehlen, um potentiellen Wählern Informationen zu bieten und möglicherweise auch einen Debattenraum zur Verfügung zu stellen. Dies gilt auch für den lokalen Raum. In Greifswald geschieht dies in sehr unterschiedlicher Qualität: Verlautbarungen an die eigenen Anhänger, Pressemitteilungen zu aktuellen Themen und vor allem Informationen zum politischen Personal lassen sich finden. Nur in den wenigsten Fällen ist auf den Seiten die direkte Beteiligung von Bürgern gestattet: Einkanalkommunikation ist am weitesten verbreitet. Da bin ich schon froh, dass auf fast allen Seiten RSS-Feeds angeboten werden, damit Nutzer die Möglichkeit haben, ohne große Umschweife die neuesten Beiträge auf den Parteiwebsites zu erhalten.

Nach der Darstellung der blogenden Platzhirsche, nun eine kommentierte Auflistung der Parteiinternetauftritten in Greifswald (die Reihenfolge stellt keine Wertung dar):

Bündnis 90/Die Grünen Greifswald-Uecker-Peene

Die Grünen in Greifswald haben die Funktion eines Blogs als erste genutzt und forcieren mit einigen Autoren die Darstellung ihrer lokalpolitischen Ziele. Für Diskussionen offen zeigt sich die Partei durch die Kommentarfunktion. Inhaltlich breit aufgestellt (Umwelt-, Mobilitäts- und Sozialthemen), wird in manchen Beiträgen ein polemischer Ton benutzt, der Unbehagen bei Teilen der Leserschaft verursacht. Beispielhaft dafür der Beitrag des ehemaligen stellvertretenden webmoritz-Chefredakteurs Gabriel Kords: „Das ist dieser pampige Kindergarten-Tonfall, den ich an Eurem Blog so liebe, Kinderchen…„. Auch die Grüne Hochschulgruppe nutzt einen Blog. Zwar unregelmäßig, doch bin ich von der Transparenz der Sitzungsabläufe begeistert.

CDU Kreisverband Greifswald

Dank des RSS-Feeds werden die regelmäßigen Beiträge aktuell wahrgenommen, doch was als Neuigkeiten verkauft wird, sind meist Pressemitteilungen zu aktuellen Debatten. Selten wird ein neues Thema auf die Agenda gesetzt und den inhaltlichen Rahmen, in dem sich die Partei vor Ort bewegt, wird nicht klar. Langfristige Ziele sind nicht zu finden. Bei der nächsten Wahl wird sich dies – für den Zeitraum des Wahlkampfes – geändert haben. Noch einmal zurück zum Stichwort aktuell: Eine Kalenderfunktion ohne Termine ist nutzlos.

Nachdem die Junge Union (JU) eine eigene Hochschulgruppe gegründet hat und dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten Greifswald (RCDS) (leider nur Verweis auf eine Facebook-Seite, die für nicht in dem sozialen Netzwerk Aktive verschlossen bleibt) somit Konkurrenz im eigenen Hause macht, könnte das Einführen einer Kommentarfunktion zum Erlernen einer Debattenkultur und dem Aushalten von anderen Standpunkten zur Verbesserung der internen Kommunikation führen. Außerdem: Barrierefrei ist das JU-Internetangebot nicht.

FDP Greifswald

Der Parteiauftritt ist statisch. Die wenigen aktuellen Informationen erhält man nur über den direkten Besuch der Internetseite. Dagegen ist die Liberale Hochschulgruppe (LHG) Greifswald mit einer Internetseite präsent, die mir sehr gut gefällt. Ein modernes Layout, aktuelle Informationen und mehr als nur Pressemitteilungen: Der Bericht über den Besuch der webmoritz-Redaktionssitzung nach dem „Eklat“ bei der Nichtwahl Torsten Heils zum stellvertretenden webmoritz-Chefredakteurs ist lesenswerter, als ich es erwartet hätte.

Die Linke Peene-Uecker-Ryck

Den Internetauftritt der Partei Die Linke über Suchmaschinen zu finden, gestaltete sich schwieriger als gedacht. Schlagwörter wie „Linke Greifswald“ führten mich zuerst zur Greifswalder Hochschulgruppe Die Linke.SDS. Zum Glück setzten diese einen Link auf ihren lokalen Kreisverband. RSS-Feeds sucht man auf beiden Seiten vergeblich. Technikaffine Internetnutzer gehören wohl nicht zur angesprochenen Zielgruppe der Seiten.

SPD Greifswald

Die Berliner Parteizentrale gab des Layout und die Nutzerführung vor: Damit besitzt die SPD in Greifswald eine von der Wirkung her sehr moderne Erscheinung. Aber wo bleiben RSS-Feeds und die Einbindung in soziale Netzwerke, denn bei solch einem Internetauftritt hätten beiden Punkte ein Muss sein sollen. Wenigstens ihre Hochschulgruppe kann abhelfen, auch wenn deren Seite nicht barrierefrei ist.

Bürgerliste Greifswald und Freie Wähler Greifswald

Statisch und unaktuell präsentieren sich die Bürgerliste Greifswald und die Freien Wähler Greifswald im Internet. Aufgrund der Personalstärke ist dies verständlich, doch wird meiner Ansicht nach das Potential des Kanals Internet unterschätzt: Die direkte Ansprache der Bürger, ungefiltert von journalistischen Selektionskriterien und das Darstellen der eigenen Kernkompetenzen und -themen in der Lokalpolitik wäre möglich.

Was jetzt noch fehlt, ist die Hinwendung zu aktiven Internetnutzern: Einerseits sollten Debatten auf den einzelnen Seite möglich sein. Und zwar nicht nur zwischen Parteimitgliedern hinter verschlossenen Internettüren, sondern offen und transparent. Andererseits gehört es meiner Ansicht nach auch dazu, die Internetauftritte der anderen Parteien nicht nur zu beobachten, sondern dortige Kommentarmöglichkeiten zu nutzen, eigenen Standpunkte auch dort zu formulieren und die Debatten raus aus den einzelnen Wählergruppen zu führen.